Erzählerin

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Orientalischer Abend in der KulturMetzgerei, Oktober 2015. Mit Daniela Zeissler und Mahmoud Khoda. Bild: Tanja Koch | Foto: Zeissler

Erzählen – hier die Geschichte von Schahrazad und 1001 Nacht. Das russische
Märchen „Wassilissa, die Wunderschöne“ und „Der Frieder und das
Catherlieschen“ der Gebrüder Grimm. Das alles sind Geschichten, die ihre Kraft
in der Erzählung entfalten. Sie entstehen neu im Angesicht des Publikums. Dafür
braucht es einen Rahmen, der dem Erzählten angemessen ist, einen Raum der
Ruhe, so wie hier, und Zeit.

„Black Box.
Ein Ohr für deine Geschichte“

Kunstprojekt in der KulturMetzgerei Seeheim im Mai/Juni 2022

Nicht ich bin die Erzählerin, sondern Menschen, die bei diesem Audio-Experiment mitgemacht haben.

Flusskreuzfahrt: Ein Ehepaar begibt sich im Lockdown auf eine Silvesterreise.

Die Idee:

Wie wäre es, eine Box zu haben, innen schwarz ausgekleidet, die begehbar ist?
Sich darin niederzulassen, zu Atem zu kommen und anzufangen zu reden?
Wie wäre es zu wissen, dass auf der anderen Seite jemand zuhört?

„Wenn du mir nichts sagen willst, so klag dem alten Eisenofen da dein Leid!“

So spricht der alte König in Grimms Märchen zur Gänsemagd.
Sie war einmal Prinzessin, doch sie darf über das, was ihr geschehen ist, nicht sprechen.
Also steigt sie in den Eisenofen und schüttet dort ihr Herz aus.

Liebeserklärung an die Welt: Eine Frau erzählt dir, wie du die Welt lieben kannst, selbst wenn du gerade traurig bist.

Wie der Prinzessin im Märchen, die sich unversehens als Gänsemagd wiedersah und die Welt nicht mehr verstand, so ging es auch mir oft angesichts der Veränderungen in den letzten beiden Jahren.
Und so wie sie – dachte ich – brauchen wir vielleicht Zeit und Raum, um das Erlebte zu reflektieren.

Pausen machen: Ein Mann spricht über die Pausen in seinem Alltag.

So baute ich eine schwarze Box und stellte sie in der KulturMetzgerei auf, einen geschützten Raum im Raum, der verschluckt oder ausspuckt, was darin gesprochen wurde. Statt des Ofenrohrs, durch das die Märchenprinzessin spricht, hatte die Box ein Mikrofon.

Menschen kamen und erzählten von Dingen, die sie beschäftigen oder bewegen. Manche zogen ein „Black Box-Los“ aus einer Kiste mit Fragen, auf die sie dann eine Antwort fanden. Ich saß vor der Box, hörte zu, nahm auf, löschte das Gesprochene oder veröffentliche es, je nach Wunsch meines Gegenübers.

Einer zieht ein Black Box-Los und macht sich auf die Suche nach dem, was er sich schon immer mal selbst sagen wollte.

Hör mehr aus der Black Box:

Das unvollendete Bild: Ein Kind kommt in die Black Box und bringt seine ganze Welt mit.

Was würdest du tun? – Ein Schauspieler kriegt ein Rollenangebot, über das er erstmal nachdenken muss.


Durchs Ofenrohr gesprochen: Über Freundschaft