
Endlich ist es soweit:
Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur „HMWK“ hat die Förderung eines „Hörspiel-Erfahrungsfelds“ im Seeheimer Goldschmidt-Park bewilligt. Der Förderverein Goldschmidt-Park e.V. und ich als Künstlerische Leitung sind super glücklich.
Nun können wir endlich realisieren, was schon vor einem Jahr ausgedacht, geplant und im Februar beantragt wurde. Das Kleinod unter den Seeheimer Parkanlagen bekommt 10 Hörspiel-Stationen, an denen Besucher*innen sich in die Geschichte des Parks und die Besonderheiten seiner Natur versenken können und mit einer anderen Wahrnehmung wieder auftauchen. Wir nennen diesen Hörspiel-Parcours „Erfahrungsfeld“, weil es um die Erfahrung eines Feldes geht, das eigenständig erschlossen werden kann. Der Zauber, den der Park ausstrahlt, wirkt in der Fantasie der Hörenden weiter.
Mit gefördert wird das Projekt durch die Jubiläumsstiftung der Sparkasse Darmstadt und die Merck’sche Gesellschaft.
Bald mehr…

21. Okt ’26
Wisse, wonach du suchst: Gang in die Archive


Ich habe eine Verabredung mit Manuela Roth vom Gemeindearchiv Seeheim-Jugenheim. Sie führt mich dahin, wo die Akten lagern: In den Keller des neuen Rathausgebäudes, der weit und luftig ist. Darüber bin ich froh, denn ich verbringe die kommenden Stunden an einem Tisch inmitten von Büchern und Akten, an der Wand ein riesiges Gemälde aus dem 19. Jahrhundert, das den alten Marktplatz in Seeheim zeigt und naja – etwas idealisiert wirkt. Eine schöne Kulisse für das Studium alter Akten. Ich stecke die Nase in ein Brandkataster von 1870 und verstehe: Nichts. Weder kann ich die Sütterlinschrift lesen, noch finde ich einen Eintrag zu dem Grundstück, das ich suche. In diesem Jahr wurde das Stück Land am Hang, das heute Park ist, an einen gewissen Major Hahn verkauft und die erste Villa nach seinen Vorstellungen gebaut, er selbst fiel im gleichen Jahr, und seine Witwe verkaufte das Anwesen einige Jahre später. Das kann man überall so nachlesen. Nur, wer das Land an Major Hahn verkauft hat und was es vorher war, ob Weinberg, Obstbaumwiese oder Weide, das finde ich nicht heraus. Dafür gibt es eine Menge anderer Literatur, die mir weiterhilft, eine Diplomarbeit aus den 80-er Jahren und die Recherche des früheren Archivars in beeindruckend schöner Handschrift. Ein paar Tage später betrete ich das säulenverzierte Landesarchiv in Darmstadt und bin zurückversetzt in die Zeit, als es noch Hoftheater der Großherzöge von Hessen und bei Rhein war. Ich habe Akten bestellt, nun liegen sie im Lesesaal zu Einsicht bereit. Darunter ein Beschluss aus dem Großherzoglichen Kreisamt Heppenheim von 1883 „wegen Abwehr und Unterdrückung der Reblauskrankheit“, den ich wieder nicht lesen kann, doch verstehen, dass die Reblaus schon damals ein Problem in den umliegenden Weinbergen gewesen sein muss. Sehr wahrscheinlich auch in Seeheim. Ob die Reblaus in einem der Mini-Hörspiele eine Rolle bekommt?
11. Okt ’26
„Gewiss
wäre ich an dir vorübergangen“

schreibt die nicaraguanische Schriftstellerin Gioconda Belli in ihrem Gedicht „Lebte ich nicht“. Dieser Vers kommt mir in den Sinn, als ich gestern den Rückweg aus dem Goldschmidt-Park antrete. Ich habe ziemlich viel zu tun – bin nicht nur Künstlerische Leitung des Projekts, sondern auch Autorin und Regisseurin. Ich muss mich also ziemlich sputen. Doch – wer einen Weg entlangrennt, hat keine Zeit, etwas zu entdecken. „Hast du die Nüsse gesehen? Oben am Panoramaweg stehen ein paar Nussbäume“, sagt Bettina vom Förderverein zu mir. Nein, habe ich nicht. Auf dem Rückweg halte ich die Augen offen, den Blick auf den Boden gesenkt. Da sehe ich sie.
Ich schreibe es mir hinter die Ohren, dies bei meiner Arbeit nicht zu vergessen: Den Blick zu weiten, die Sinne zu schärfen für das, was im Park und in der Natur passiert. Gewiss wäre ich noch ein zweites Mal achtlos an dir vorübergegangen, hohle, von einem Eichhörnchen angenagte Walnussschale. Hätte mich nicht jemand aufmerksam gemacht.
1 Okt ’26

Noch fast leeres Blatt – bald wird hier mehr stehen.